Demenz und Musik

Fachtagung „Demenz und Musik" mit 200 Fachkräften

Musik verbessert die Lebensqualität von an Demenz erkrankten Menschen und schafft Dialog, wo größtenteils Sprachlosigkeit herrscht. Darin waren sich die Experten aus Forschung und Altenpflegepraxis bei der von der Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz (LzG) veranstalteten Fachtagung Demenz und Musik am 11. Juni 2008 im Schloss Engers in Neuwied einig.

Prof. Dr. Hans Hermann Wickel von der Fachhochschule Münster und Prof. Dr. Theo Hartogh von der Hochschule Vechta nannten als Argumente für die Notwendigkeit der Fortbildungen auf diesem Gebiet die Wiesbadener Erklärung des Deutschen Musikrats, das Sozialgesetzbuch und die Altenberichte der Bundesregierung, die alle die Integration von Musik in die Arbeit mit alten Menschen als Ziel nennen. Das Wissen über die Zusammenhänge von Musik und Demenzerkrankung reiche allerdings nicht aus, so die beiden Fachleute. Es seien auch die richtigen Handlungskompetenzen notwendig, um vor Ort in den Pflegeeinrichtungen das Thema durch- und umzusetzen. Das Seminar "Musik als Schlüssel", das sich an haupt- und ehrenamtliche Pflegekräfte wendet sowie die zertifizierte berufsbegleitende Fortbildung "Demenz und Musik", die für Fachkräfte der ambulanten und stationären Pflege entwickelt wurde, seien deshalb von der LzG initiiert und in Kooperation an der Landesmusikakademie durchgeführt worden.

Prof. Dr. med. Eckart Altenmüller von der Hochschule für Musik und Theater in Hannover, vor etwas mehr als Jahresfrist auch Referent beim Kongress „Es ist nie zu spät - Musizieren 50 +“, gab Einblicke in die neurobiologischen Auswirkungen, die Musik bei an Demenz erkrankten Menschen haben kann. Unter dem Motto "Es ist nie zu spät!" erklärte er die Fähigkeit des Gehirns, auch im hohen Alter und selbst beim Vorliegen einer Demenzerkrankung noch neue Nervenverbindungen zu bilden und dynamisch zu bleiben. Musik schaffe dafür besonders geeignete Anreize und Motivation, so Altenmüller. Darüber hinaus könne aktives Musizieren das Absterben von Nervenzellen verzögern und damit Demenz vorbeugen helfen.

Prof. Dr. David Aldridge vom Nordoff-Robbins-Zentrum in Witten stellte mit vielen Videos aus seiner praktischen Arbeit und Musikeinspielungen alter bekannter Schlager die Beziehung zwischen Musik, Demenz und Biografie vor. Ihm ging es weniger um den empirischen Beweis, ob Musik Demenzkranke positiv beeinflusst, sondern vielmehr um die Erkenntnis, dass es ihnen sichtlich gut tut. Aldridge stellte mehrere Fälle vor, in denen an Demenz erkrankte Menschen sowie Schlaganfallpatienten, die nicht mehr sprechen konnten, nach einigen musiktherapeutischen Sitzungen ihnen vertraute Lieder singen konnten - mit dem kompletten Text. "Ein einfacher Weg, um herauszubekommen, wie man Musik biografisch sinnvoll einsetzen kann, ist es, die Menschen nach ihren Erinnerungen oder Assoziationen zu bestimmten Melodien zu befragen", empfahl der britische Musiktherapeut.

Allen Forschungsansätzen und Untersuchungen ist gemeinsam, dass sie der Musik/dem Musizieren im Zusammenhang mit Demenz attestieren, dass dieses erkrankten Menschen gut tut, ihren Alltag freundlicher und würdiger gestaltet, dass aktive Beschäftigung mit Musik Anreize und Motivation geben und das Kommunikationsmedium zu der personalen Umgebung/zu den Pflegekräften darstellt.

Die Dokumentation zur Fachtagung finden Sie hier zum Download.